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Die Farben der Drachen, Kapitel 3

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Kapitel 3: Der erste Übungskampf

Als die Glocke klingelte, erinnerte sich Lilia daran, dass sie nun Kampfunterricht hatte, und ihre Hände zitterten unwillkürlich bei dem Gedanken. Drakaras beruhigende Präsenz in ihren Gedanken half ihr ein wenig, und das Zittern verschwand. Dennoch war Lilia alles andere als sicher, diese Stunde zu überstehen. „Du wirst es. Oder hast du vergessen, dass hier nur Übungswaffen verwendet werden?“, fragte die Drachendame. Lilia nickte. „Ich möchte nur nicht gerne als Versagerin dastehen“, erklärte sie. „Du bist keine Versagerin, nur weil du nicht kämpfen kannst.“ „Das sagst du so einfach, aber die Drachenreiter werden…“ Ihr Gedankengespräch wurde unterbrochen, denn nun befand sich Lilia vor der Trainingshalle. Ihre Knie wurden weich, dennoch zwang sie sich, hineinzugehen. In einer Ecke lagen einige Übungswaffen. Keulen, Schwerter, Äxte, Dreizacke und sogar einen Bogen konnte sie ausmachen. Ein recht alter, jedoch für sein Alter noch erstaunlich muskulöser Mann stand in der Mitte der Halle und ließ seinen strengen Blick über die Schüler wandern. „Mein Name ist Asdamor, und ihr habt bei mir Kampftraining. Bevor wir kämpfen, gibt es noch ein paar theoretische Dinge, die ihr wissen müsst. Jede Drachenart hat auch einen Waffentyp, welchen sein Reiter am besten einsetzen kann. Eisdrachenreiter verwenden die Keule, Wasserdrachenreiter den Dreizack, für die braunen Drachenreiter gibt es Äxte, Feuerdrachenreiter kämpfen am liebsten mit dem Schwert und die luftigen Reiter nehmen den Bogen. Sie sind die einzigen Drachenreiter, welche ausgenommen von der Magie Fernkampftechniken beherrschen.“ Sein Blick blieb für einen Moment an Lilia hängen, und sie zwang sich, ihren Blick nicht zu senken. „Welche Waffe weiße Drachenreiter nutzen, weiß ich allerdings nicht. Es ist aber auch egal, denn wir tauschen für das Training auch immer die Waffen, um auch den Kampf mit ihnen zu trainieren.“ Er deutete auf eine Axt. „Nimm die Axt, Lilia. Asra, du nimmst das Schwert. Damir, du nimmst die Keule. Bertram, du nimmst dir ebenfalls eine Axt und Indira, du wirst dir einen Dreizack nehmen.“ Die Schüler taten, wie ihnen befohlen, und Lilia balancierte unsicher die schwere Waffe in den Händen. „Gibt es für weiße Drachenreiter überhaupt eine Waffe?“, fragte sie Drakara, und diese nickte. „Davon werde ich dir aber erst später etwas verraten.“ Ihre Gedankenstimme duldete keinen Widerspruch, und Lilia seufzte innerlich. „Asra und Lilia, ihr werdet kämpfen“, bestimmte Asdamor. Die beiden Mädchen zogen sich an den Rand der Halle zurück, und Asra sah ihre Gegnerin kampfbereit an. Ohne Vorwarnung vollführte sie einen Schwerthieb, welchem das Mädchen nur knapp ausweichen konnte. Sie führte ihre Axt und versuchte ebenfalls eine Attacke, doch es gelang ihr nicht. Asra war stark und geschickt, also vollführte sie gleich die nächste Attacke mit tödlicher Präzision. „Erkenne deine Stärke und nutze sie“, wies Drakara Lilia an. „Und nein, diese Stärke liegt nicht im Angriff. Du musst den Kampf anders für dich entscheiden.“ Gerade überlegte Lilia, wie sie dies anstellen sollte, ohne anzugreifen, als der nächste Angriff sie beinahe getroffen hätte. Im letzten Moment sprang sie zur Seite und verhinderte die Berührung mit dem Schwert. Da ging ihr ein Licht auf. Sie musste nur schnell genug sein und ihre Gegnerin verwirren, dann würde diese bald müde und unachtsam werden, sodass Lilia leichtes Spiel hatte, sie mit der Axt zu berühren. Ein anerkennendes Geräusch erschallte in ihren Gedanken, und sie gewann dadurch etwas Selbstvertrauen. Also wich sie jedes Mal, wenn die Waffe sie beinahe berührt hatte, aus und ermüdete ihre Gegnerin immer mehr. Sie selbst schien gar nicht müde zu werden. „Das… kann doch nicht wahr sein!“, keuchte Asra. Ihre Angriffe wurden immer schwächer, und als sie ins Wanken geriet, berührte sie Lilia blitzschnell mit der Axt an der Stelle, wo das Herz saß. „Der Sieg geht an Lilia!“, rief Asdamor, und die beiden Mädchen setzten sich auf die Bank, wo sie warten mussten. „Das war eine interessante Taktik“, kommentierte der Lehrer den Kampf zwischen ihnen. Nun kämpften Bertram und Indira gegeneinander. Obwohl der Junge recht stark war, gewann Indira. „Rote Drachenreiter sind am temperamentvollsten“, erklärte Drakara. Zum Schluss kämpfte Damir Mangels Partner gegen den Lehrer und verlor den Kampf. „Regel Nummer 1: Unterschätze niemals deinen Gegner“, sagte Asdamor streng. „Und nun genießt eure Pause. Wir sehen uns morgen wieder.“ Diese Aussicht ließ Lilias Herz schneller schlagen. „Du hast es diesmal auch geschafft“, machte Drakara ihr klar.

In der Pause stellte sich Lilia in eine Ecke des Waldes. Im Moment wollte sie ihre Ruhe haben und keine höhnischen Blicke ertragen müssen, weil sie keine solch gute Kämpferin war. Sie genoss die frische Luft und atmete tief ein, während die anderen Drachenreiter die Zeit nutzten, miteinander zu tuscheln. Lilia beachtete die Gespräche nicht. „Mir wird immer deutlicher, dass ich mit dir die richtige Wahl getroffen habe“, meldete sich ihre Drachin zu Wort. Lilia lächelte. Es kam ihr seltsam vor, dass sie nun tatsächlich Drachenreiterin war, und obwohl sie mit den anderen Schülern nicht so recht warm wurde, bereute sie es nicht, ihre Drachendame gefunden zu haben. „Da bin ich aber beruhigt“, fing Drakara ihren Gedanken auf. Lilia sandte ein Lachen in Gedanken zu ihr. Die Pause war schnell vorbei, und so versammelten sich alle Schüler ihres Jahrganges wieder zum Drachenflugunterricht. Aida kam energischen Schrittes angelaufen und nickte zufrieden. „Heute möchte ich sehen, wie gut ihr mit eurem Drachen umgeht und mit ihm fliegen könnt. Es wird einen Wettflug geben. Ich werde stoppen, wie schnell ihr es schafft, von hier bis zum Quartier der Eisdrachen zu fliegen. Ja, die lange Distanz ist Teil der Herausforderung.“ Lilia spürte in ihren Gedanken, wie ihre Drachendame unwillkürlich zitterte. „Das gefällt mir absolut nicht“, murrte sie. „Wir werden es schon schaffen.“ Diesmal war es Lilia, welche Drakara Zuversicht schenken wollte. Aida wandte sich an das Mädchen. „Lilia, du startest zuerst, und ich folge dir.“ Die Reiterin schwang sich auf ihren braunen Drachen, und Drakara erschien neben Lilia, um sie aufsteigen zu lassen. Kaum saß Lilia fest im Sitz, erhob sich Drakara in die Lüfte. Die Drachendame flog so schnell, dass Aida plötzlich kaum noch zu sehen war. „Flieg ein klein bisschen langsamer“, wies sie die Drachendame an. Drakara schnaubte. „Typisch Erddrache. Sie sind am liebsten auf der Erde und fliegen zwar nicht schlecht, aber schnelles Fliegen gehört nicht zu ihren Stärken.“ Dennoch verlangsamte sie ihren Flug ein wenig, damit Aida und ihr Drache folgen konnten. „Luftdrachen sind die schnellsten Drachen im Fliegen, aber wir weißen Drachen sind auch nicht gerade langsam“, erklärte Drakara. Da konnten sie schon die Eiswüste unter ihnen sehen, und Lilia spürte, wie die Kälte langsam in ihren Körper gelang. Sie landeten in der Mitte der Eiswüste, und Aida folgte ihnen ein paar Augenblicke später. Sie starrte Lilia aus großen Augen an. „Du hast gerade einmal fünf Minuten gebraucht!“, rief sie, und Stolz erfüllte Lilia. Aida flog nun zurück, und nach etwa drei Minuten tauchte sie zusammen mit Damir auf, welcher auf seinem grünen Drachen saß. Stolz stieg er ab und sah Lilia mit einem frechen Grinsen an, als er erfuhr, dass er sie überboten hatte. „Du hast einen Luftdrachen, da ist es ganz normal, dass du schneller bist als ich. Damit kann ich leben.“ Für einen Moment sah der Junge sie verwirrt an. „Was ist?“, wollte Lilia wissen. „Er denkt wohl, dass du sehr sonderbar bist, wenn du dich nicht darüber ärgerst, dass jemand schneller ist als du. Die Drachenreiter sind geradezu versessen auf Wettkämpfe.“ „Du hörst die Gedanken der Menschen?“, fragte Lilia. „Wenn ich mich darauf konzentriere, ja“, antwortete Drakara. Als nächstes tauchte Bertram mit seinem ozeanblauen Drachen nach zehn Minuten auf, danach Asra, die etwa acht Minuten für den Weg brauchte. Zuletzt Indira mit ihrem roten Drachen, doch dieser wirkte sehr nervös. Es sah so aus, als wollte er schnellstens wieder weg von hier. „Er ist als Feuerdrache das Eis und die Kälte nicht gewöhnt“, meldete sich der weiße Drache. Kurz darauf traten die Drachenreiter auch schon wieder den Rückweg an und landeten gemeinsam auf der Lichtung. Das nächste Unterrichtsfach war Geschichte der Drachenreiter. Ein schon ziemlich betagter Drachenreiter kam in Begleitung eines Luftdrachen angeflogen und erzählte den Schülern, dass man nicht viel über die frühe Geschichte der Drachenreiter wisse, nur, dass eines Tages ein Mensch es geschafft hatte, einen Drachen zu erhalten und die Drachenreiter gegründet hatte. Er teilte Geschichtsbücher an jeden Drachenreitschüler aus, und Lilia begann eifrig zu lesen. „Morgen wird es eine Prüfung über die ersten fünf Seiten in diesem Buch geben“, verkündete er, was ein kollektives Stöhnen zur Folge hatte. „Für Drachenreiter sind nicht nur Muskelkraft und Kampfgeist von Nöten, sondern auch das Wissen um die Entstehung der Drachenreiter. Weisheit ist ein hohes Gut bei uns.“ Mit diesen Worten verließ er die Schüler. Das nächste Unterrichtsfach, Magie der Drachen, wurde im Quartier der braunen Drachenreiter abgehalten, und so flog Lilia auf ihrer Drachin dorthin. Aida unterrichtete dieses Fach. „Die Magie der Drachen ist mächtig, und jeder Drache entscheidet selbst, wann er seinem Reiter Zugang dazu gewährt. Es kann eine Woche, aber auch ein ganzes Monat dauern, bis der Drache euch für würdig erachtet, seine Magie mit euch zu teilen. Dennoch solltet ihr schon etwas über die Magie der braunen Drachen wissen.“ Sie warf einen Seitenblick zu Lilia. „Da wir über die weiße Drachenmagie nichts wissen, kannst du hier nur bedingt etwas davon lernen. Dennoch ist es vielleicht interessant. Erddrachen können Erdbeben und Sandstürme erzeugen und eine Erdlawine hervorrufen. Was ihr zuerst von ihm lernt, bestimmt er selbst. Außerdem kann er Erdpfeile nach seinen Gegnern werfen. Um Drachenmagie einzusetzen, müsst ihr euch auf die Bindung zu eurem Drachen konzentrieren und ihm etwas von seiner Magie entziehen. Ihr solltet das aber niemals versuchen, bevor er euch die Magie benutzen lässt, das könnte ihn auf den Gedanken bringen, dass ihr ihn nicht richtig respektiert und er könnte böse werden. Ich brauche euch bestimmt nicht erzählen, was dann passiert“, beendete Aida ihre Erzählung. Lilia nickte, während die anderen Schüler gelangweilt zu Boden schauten. Wahrscheinlich kannten sie diese Erklärungen bereits. „Wir werden jetzt hinausgehen, und ihr, die das schon könnt, werdet eure Magie üben. Ich möchte sehen, wie gut ihr damit umgehen könnt.“ Lilia folgte den Schülern nach draußen und verfolgte, wie präzise Kiana bereits Sandstürme und Erdpfeile erschaffen und diese auf eine magische Barriere lenken konnte. Ein anderer Junge erzeugte eine riesige Erdlawine, einen Sandsturm und ein Erdbeben so schnell hintereinander, dass Kiana und die anderen Schüler große Augen bekamen. Nur Lilia nicht. Die stand etwas weiter hinten und beobachtete diese Darbietungen mit gemischten Gefühlen. Diese Art von Magie war ihr nicht geheuer. Jedes Mal, wenn Lilia in ihrem Leben Gewalt gesehen hatte, krampfte sich ihr Herz schmerzhaft zusammen und sie wurde furchtbar traurig. So ging es ihr auch jetzt, doch sie versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. „Traurigkeit ist keine Schwäche, Lilia. Im Gegenteil.“ Drakaras Trost stimmte sie wieder ein wenig fröhlicher. „Wo ist denn dein Drache?“, erkundigte sich Kiana. Lilia schluckte heftig und überlegte sich eine Antwort. „Sie verabscheut Kampfmagie“, erklärte sie. „Ruf sie doch einmal, damit sie zeigen kann, welche Magie sie besitzt“, schlug Aida vor. „Ich werde hier ganz bestimmt nicht meine Magie zur Schau stellen!“, rief Drakara. Sie kam zwar hinter einem Baum hervor, schüttelte aber heftig den Kopf. „Noch nie habe ich solch einen Drachen gesehen, alle Drachen, die ich kenne, zeigen gerne ihre Magie, um ihre Macht zu demonstrieren.“ Drakara lachte in Lilias Gedanken laut auf. „Wenn sie Ahnung von weißen Drachen hätte, würde sie so etwas nicht behaupten“, sagte sie. Lilia seufzte, als sie das Klingeln der Glocke vernahm. Nun war ihr Unterricht vorbei. „Ihr habt jetzt eine Stunde Freizeit, bevor wir Mittagessen“, erklärte Aida. Während alle anderen Drachenreitschüler ins Quartier gingen, wollte Lilia noch nicht hinein. Sie und ihre Drachendame entschlossen sich, noch ein wenig durch den Wald zu fliegen und sich zu erholen. Als sie so schweigend durch den Wald flogen, begegneten sie Asra, die aussah, als wollte sie Lilia mit ihren Blicken erdolchen. Ihre Augen funkelten, als sie zu ihr herübersah. „Du!“ „Ich was?“, fragte Lilia ungerührt. „Du feige Drachenreiterin! Man sollte dich gar nicht erst Drachenreiterin nennen! So etwas hat noch niemand mit mir gemacht! Meinen Angriffen feige ausweichen und dann, als ich müde und unachtsam bin, mich treffen!“ Lilia blieb ruhig. „Du bist unachtsam geworden, nicht ich. Was kann ich dafür, wenn wir diese unsinnigen Kämpfe machen müssen? Ich möchte nicht kämpfen“, sagte sie wahrheitsgemäß. Asra warf ihr einen höhnischen Blick zu. „Weißt du, was wir sind? Wir sind Drachenreiter! Wir sind keine Pazifisten! Du hast eindeutig den falschen Weg gewählt, du Memme!“ Dann wandte sie sich an ihren Eisdrachen. „Alicio, zeig ihnen, was du kannst!“, rief sie. Drakara warf dem Drachen einen warnenden Blick zu, und es sah so aus, als würden sie sich unterhalten, denn sie blickten einander für ein paar Sekunden nur an. Dann schüttelte der Eisdrache seinen Kopf und erklärte, sodass es selbst Lilia in ihrem Geist hören konnte: „Dieses Mädchen ist es nicht Wert, dafür die Regeln der Drachenreiter zu brechen.“ Dann flog er einfach davon, und Asra blieb nichts Anderes übrig, als Lilia Beschimpfungen nachzurufen. „Was hast du dem Drachen gesagt?“, fragte Lilia ihre Drachendame. „Ich habe ihm nur gesagt, dass er mich nicht unterschätzen soll und meine schützenden Kräfte mächtiger sind, als seine Eisesmagie. Ich halte normalerweise nichts von Streitigkeiten, aber ihm musste ich die Meinung sagen.“ Lilia nickte und seufzte. Es würde schwer werden, in der Drachenreitschule anerkannt zu werden. „Mach dir nichts draus“, tröstete Drakara. „Unter den Drachen sind die weißen Drachen ebenso nicht akzeptiert und anerkannt, doch wir leben gerne zurückgezogen.“ Lilia fühlte eine leichte Traurigkeit in sich aufsteigen. Obwohl sie im Grunde ihres Herzens auch eher eine Einzelgängerin war, vermisste sie eine beste Freundin. „Bin ich dir nicht genug?“, fragte Drakara, und Lilia spürte einen Stich des schlechten Gewissens. „Natürlich bist du das“, antwortete sie schnell. Die Drachendame sah das Mädchen ernst an. „Ich sage nun etwas, was ein Drache normalerweise niemals sagen würde, schon gar nicht ein weißer Drache. Du bist auf dem besten Weg, so etwas wie eine beste Freundin für mich zu werden. Ja, weiße Drachen sind zurückhaltend, aber wenn sie jemanden als loyal einstufen, werden sie ihm gegenüber immer loyal bleiben. Ich mag dich, so wie du bist, und ich denke, das ist viel mehr Wert, als eine Menschenfreundschaft. Vertraust du mir?“ Lilia nickte und spürte die Freude ihrer Begleiterin in sich aufsteigen. „Ich denke, bald werde ich dir Zugang zu einem Teil meiner Magie gewähren“, erklärte Drakara. Lilia freute sich und war schon sehr gespannt darauf, welche Magie in den weißen Drachen steckte.“ „Sie wird dir gefallen.“ Drakara drehte nun ab und flog zurück in Richtung Quartier. Währenddessen herrschte Schweigen zwischen ihnen, doch das machte nichts, denn Lilia brauchte Zeit, um ihre Gedanken zu sortieren. Beim Mittagessen saß sie zu ihrem Leidwesen wieder neben Kiana, welche scheinbar recht redselig war und sie ohne Punkt und Komma ausfragte. „Warum will dein Drache seine Magie nicht vorzeigen? Hat er vielleicht keine Magie? Welche Art von Fähigkeiten hat er?“ Lilia seufzte. „Erstens ist es ein weiblicher Drache, zweitens ist sie anders als die anderen Drachen und drittens kenne ich ihre Fähigkeiten noch gar nicht.“ „Sie hat noch nie mit dir darüber gesprochen?“ Lilia schüttelte den Kopf. „Dieses Mädchen ist ganz schön neugierig“, meldete sich Drakara in Lilias Gedanken zu Wort. Lilia nickte und verdrehte innerlich die Augen. „Hör bitte auf, meine Reiterin mit Fragen zu belästigen.“ Diesmal hatte Drakara scheinbar gleichzeitig zu Lilia und Kiana gesprochen. „Ich kann auch mit anderen Reitern kommunizieren, aber in der Regel tun das Drachen nur, wenn sie es möchten.“ Kiana sah Lilia verdutzt an. „War das…“ „Ja, das war Drakara. Bitte verhalte dich auch entsprechend“, sagte Lilia bestimmt. Ein wenig beleidigt verschwand Kiana, und das Mädchen atmete auf. „Typisch Mädchen. Wenn es eine Kritik gibt, beleidigt werden.“ Lilia nickte ihrer Drachendame zustimmend zu. „Ich bin so froh, dass du nicht so bist, Lilia.“ „Das bin ich auch.“

Am Nachmittag hatten die Drachenreiter zwei Stunden lang Kampfstrategie. Während die anderen Schüler Adrians Worten interessiert lauschten, fühlte Lilia sich unwohl dabei. „Mir fällt es nicht leicht, das zu sagen, aber du solltest dennoch bei diesem Fach aufpassen. Auch, wenn wir es eigentlich vorziehen, friedlich miteinander zu leben, könnten dir manche Strategien das Leben retten.“ Lilia nickte, denn Drakara hatte absolut Recht. Also konzentrierte sie sich mehr auf den Unterricht. „Im Kampf auf dem Boden, also ohne auf dem Rücken des Drachen zu sitzen und unbewaffnet, gibt es einige Kampftechniken, mit denen man seinen Gegner für einen Moment ausschalten kann. Eine beliebte Methode wäre der Fußtritt gegen die Kniekehlen. Trifft man, so zieht man seinem Feind buchstäblich die Füße unter dem Körper weg und bereitet ihm Schmerzen. In der Zwischenzeit kann man versuchen, davonzulaufen oder auf den Rücken seines Drachen zu steigen und entweder davonfliegen oder mit dem Drachen zusammen gegen den Feind kämpfen. Außerdem gibt es noch eine andere Stelle, die vor allem beim Mann sehr empfindlich auf Tritte ist. Ich denke, ihr wisst, welche ich meine. Manchmal kann aber auch ein kräftiger Stoß helfen. Die Praxis werdet ihr bestimmt bei Asdamor noch erlernen.“ Er wollte noch etwas sagen, doch da klingelte es bereits. „Endlich ist die Schule vorbei“, richtete Lilia ihre Worte an ihre Drachin.

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