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Die Farben der Drachen, Kapitel 4

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Nun schreibe ich fast ein Jahr schon in diesem Blog mit, daher dachte ich mir, heute veröffentliche ich das 4. Kapitel der Farben der Drachen. Meine derzeit nur seltene Aktivität hier hat auch einen Grund, und zwar schreibe ich momentan viele Kurzgeschichten auf einer Seite, wo mehrere Autoren Geschichten schreiben. Ich weiß, ich bin dem Blog untreu geworden. *grins*. Jedenfalls könnt ihr diese anderen Geschichten auf kurzgeschichten-stories.de sehen, da schreibe ich auch als Rika, vorzugsweise in der Rubrik „Fantastisches.“ Hier kommt jetzt jedenfalls Kapitel 4 meiner Geschichte

Kapitel 4: Lilias erste neue Fähigkeit

Am nächsten Morgen war die erste Stunde Kampftraining mit Asdamor. Lilias Hände zitterten unwillkürlich bei dem Gedanken, gegen wen sie heute antreten würde. „Zerbrich dir nicht den Kopf, du wirst es bald erfahren“, versuchte Drakara sie zu beruhigen. Sie erfuhr es früher, als es ihr lieb war. Schon beim Eintreten in die Kampfarena meinte Asdamor: „Lilia, heute wirst du gegen mich mit einem Schwert kämpfen.“ Ihr Herz setzte einen Schlag aus, doch sie griff zu einem Schwert, während sich der Lehrer eine Keule nahm. „Rote Drachenreiter sind am Gefährlichsten, aber du musst deine Taktik von gestern beibehalten. Ich werde dir dafür deine erste magische Fähigkeit verleihen, erhöhte Verteidigungsfähigkeit.“ Dann spürte Lilia, wie sie Zugang zu einem Teil der Drachenmagie erhielt. „Danke“, sagte sie zu ihrer weißen Drachendame, und selbstbewusst ging sie in den Kampf. Es fühlte sich an, als bewegten sich ihre Beine und Arme von ganz allein, während sie den schnellen, gezielten Angriffen des Lehrers auswich. Dabei berührte sie kaum den Boden und wirbelte nur so herum. Sie verteidigte sich so geschickt und schnell, dass Asdamors Gesicht einen überraschten Ausdruck annahm. Mit einer schnellen Drehung kam Lilia nahe an ihren Lehrer heran und traf ihn mit dem Schwert. „Solch eine Geschicklichkeit und Schnelligkeit habe ich noch nie bei jemandem gesehen. Ist das die Magie der weißen Drachen?“ Er sah Lilia streng an. „Sag es ihm nicht. Von euch wird verlangt, ohne Drachenmagie zu kämpfen, aber ohne Magie kannst du nicht gewinnen.“ Lilia schüttelte den Kopf. „Nein, wirklich nicht!“, antwortete sie. Mit einem Stirnrunzeln schickte er sie auf die Bank. Ein schlechtes Gewissen durchzuckte sie für einige Sekunden, denn sie empfand es als unfair, Drachenmagie genutzt zu haben. „Es ist die einzige Möglichkeit, deinen Nachteil der fehlenden Muskelkraft auszugleichen. Außerdem verwendest du nicht das wahre Ausmaß meiner Drachenfähigkeiten, das wäre tatsächlich nicht angebracht in einem fairen Kampf. Du wirst es schaffen.“ Diese Worte gaben Lilia wieder etwas Mut, und sie atmete tief ein. Nun kämpften Bertram und Damir gegeneinander. Es war ein langer Kampf, bis Bertram ihn für sich entschied. Zuletzt waren noch Indira und Asra an der Reihe, und wie schon beim letzten Kampf gewann Indira wieder. Sie klopfte Asra einmal auf die Schulter, dann setzten sich die beiden Mädchen Hand in Hand nebeneinander. Scheinbar hatten sich hier zwei Freunde gefunden. Erneut durchzuckte Lilia ein Stich der Traurigkeit, da sie sich unter den Menschen ein wenig einsam fühlte, doch sie klammerte sich an die Freundschaft zu ihrer Drachin. „Verlier niemals den Mut und das Selbstvertrauen“, flüsterte Drakara in ihren Gedanken, und Lilia lächelte ein wenig. Sie ging gedanklich zurück zu dem Tag, an welchem sie noch entsetzt darüber war, eine Drachenreiterin zu werden. Dies war nun drei Tage her, und heute konnte sie mit Recht behaupten, dass es sich dennoch gut anfühlte, auf Drakara zu reiten. Nach dem Kampfunterricht war wieder Drachenkunde, und diesmal lernten sie etwas über die Drachen, deren unterschiedliche Lebensformen und Gewohnheiten. „Eisdrachen“, erklärte Adrian, „haben Höhlen aus Eis in der Eiswüste aufgebaut. Dort leben sie und ernähren sich von Tieren, welche ebenfalls das Eis bevorzugen. Sie fliegen nur selten außerhalb der Eiswüste, es sei denn, die Anweisung ihres Reiters zwingt sie dazu. Luftdrachen sind fast Tag und Nacht in der Luft anzutreffen und jagen verschiedene Vogelarten. Außerdem sind sie gute Wächter, da sie in der Luft kaum müde werden und fast eine Woche durchfliegen können, bevor sie sich zurückziehen müssen. Sie leben im Gebirge und haben ihre Höhlen auf Bäumen gebaut, da sie Bodenkontakt nicht besonders mögen. In diesen Höhlen halten sie sich allerdings nur auf, wenn sie regenerieren müssen. Braune Drachen sind am liebsten auf dem Waldboden. Sie jagen verschiedene Waldtiere auf dem Boden und fliegen zwar auch, aber Bodenkontakt ist ihnen wichtig. Sie haben sich Erdhöhlen erbaut. Feuerdrachen lieben die Hitze des Vulkans. Sie schlafen am liebsten direkt in der Lava, und diese gibt ihnen auch magische Kraft. Wenn sie fliegen, stehen sie meistens in Brand, um ihre empfindlichen Schuppen vor Kälte zu schützen. Wasserdrachen sind am liebsten in tiefen Gewässern und bewegen sich sehr gerne schwimmend fort.“ Er hielt einen Moment inne, und Lilia fragte sich, wie weiße Drachen lebten. „Weiße Drachen leben, wie ich dir schon sagte, sehr zurückgezogen. Es gibt nur ein Dutzend von ihnen, und sie sind einander freundlich gesinnt, auch wenn sie nicht zusammen leben. Wir ernähren uns nur von Pflanzen und Früchten und jagen nicht.“ „Weißt du, wie weiße Drachen leben?“, fragte Adrian sie, und Lilia sah ihn unschlüssig an. „Du kannst es sagen“, erlaubte Drakara ihr, und Lilia erzählte es. „Das ist sehr interessant“, murmelte Adrian und zog sich von ihr zurück. „Nun erzähle ich euch noch etwas über die Kooperationsbereitschaft von Drachen. Drachen mögen es nicht gerne, wenn man ihnen Befehle aufzwingt, wobei sie für Kampfbefehle empfänglicher sind. Drachen wollen das Gefühl, dass man sie respektiert, aber ebenso spüren, dass man würdig ist, von ihnen respektiert zu werden. Daher ist es wichtig, seine Befehle bestimmt zu äußern und keinen Zweifel daran in seinen Gedanken aufkommen zu lassen. Spürt ein Drache den geringsten Zweifel oder die Möglichkeit, dass sein Reiter nachgiebig sein könnte, wird er dies ausnutzen.“ Drakara schüttelte in Lilias Gedanken den Kopf. „Bei weißen Drachen ist das anders. Respekt ist uns genauso wichtig, aber Kampfbefehle interessieren uns kaum, wie du ja weißt. Außerdem ist uns eine freundschaftliche Bindung zu unseren Reitern wichtig. Das ist auch der Grund, weshalb weiße Drachen noch nie einen Reiter erwählt haben, es gab schlicht noch niemanden, welcher sie überzeugt hat. Du bist die Erste.“ Lilia dankte ihrer Drachendame für das große Vertrauen, während Adrian weitersprach. „Drachen sind im Normalfall unsterblich, außer sie werden von einem mächtigeren Wesen getötet. Ihr müsst gut mit eurem Drachen umgehen und dürft ihn keinesfalls im Kampf überfordern, denn seine Magie ist auch nicht grenzenlos. Hat ein Drache seine komplette Magie verbraucht, einschließlich der Lebensenergie, stirbt er, und ihr gleich mit. Deshalb dürft ihr euren Drachen niemals ausbeuten und selbst den Kampf erlernen, um euren Drachen dabei zu unterstützen.“ Lilia wurde flau im Magen, und sie hoffte inständig, dass es niemals zu einem Kampf auf Leben und Tod kommen möge. „Vielleicht wird es sich manchmal nicht vermeiden lassen, in den Kampf zu ziehen“, erklärte Drakara. „Aber so lange wir die Möglichkeit haben, werden wir das nicht.“ Das Klingeln der Schulglocke läutete die große Pause ein. Lilia stellte sich in die hinterste Ecke des Waldes und atmete tief die Waldluft ein. Es fühlte sich an, als würde ihr die Natur und die frische Luft Kraft schenken. Drakara hockte im Unterholz zwischen einigen Bäumen und hatte die Augen geschlossen. „Du hast Recht, die Waldluft und der Kontakt zur Natur gibt den weißen Drachen Kraft. Ich kann meine Kräfte regenerieren, indem ich Schutz zwischen den Bäumen suche und die Augen schließe.“ Lilia sah unschlüssig zwischen den Bäumen hervor. „Darf ich… mich zu dir legen?“ Drakara nickte mit ihrem Kopf, und so kroch das Mädchen durch das Unterholz. Sie legte sich auf den Rücken neben ihre Drachendame und schloss die Augen. Die fernen Stimmen ihrer Mitschüler ausblendend, konzentrierte sie sich ganz auf die Geräusche und Gerüche des Waldes um sie herum. Diese Wahrnehmungen trugen sie auch mit sich fort.

Eine Berührung ließ Lilia abrupt wieder aus dem Schlaf schrecken. „Der Unterricht geht gleich weiter, Liebes“, flüsterte Drakara in ihren Gedanken. Hastig stand Lilia auf und richtete ihre Haare. Dann zwängte sie sich zwischen den Bäumen hindurch und ging frisch und munter zum Unterricht zurück. Der Geschichtslehrer prüfte nun die Schüler, ob sie die erforderlichen Seiten gelernt hatten, und Lilia beantwortete eifrig alle Fragen. Als sie den Zettel abgab und der Drachenreiter die Antworten überflog, huschte ein überraschter Ausdruck über sein Gesicht. „Du hast alle Fragen scheinbar richtig beantwortet, wenn ich das richtig sehe“, lobte er sie, und Lilia lächelte. „Ich bin gut darin, Dinge zu lernen“, erklärte sie, und der Lehrer nickte noch einmal, bevor er sich wieder abwandte. „Streber“, hörte Lilia Asras Stimme flüstern, doch sie ließ sich davon ihre gute Laune nicht verderben. In „Magie der Drachen“ führten die Drachenreitschüler erneut ihre magischen Fähigkeiten vor, Lilia spürte ein wenig Traurigkeit, gemischt mit Erleichterung. Sie war froh darüber, ihre Drachenmagie nicht vorführen zu müssen, andererseits machte es sie auch traurig, dass sie dadurch nicht als wirklich zugehörig galt. „Ich weiß, ich sollte mich auf meine Drachenfreundschaft besinnen“, dachte sie, und Drakara nickte eifrig. „Du wirst sehen, eines Tages wird es einen Moment geben, wo dein Ansehen unter den Schülern steigen wird“, erklärte sie, doch als das Mädchen fragte, was sie damit meinte, schwieg sich die Drachin aus. Zum Glück war diese Stunde bald vorbei, und Lilia freute sich schon auf den Drachenflugunterricht. „Dass ihr mit euren Drachen fliegen könnt, wissen wir nun“, begann Aida den Unterricht. „Nun will ich sehen, wie ihr es schafft, in einer Reihe hintereinander zu fliegen. Gerade für die Luftdrachen dürfte dies eine besondere Herausforderung sein, da diese am liebsten direkt an der Spitze fliegen, um das Tempo beeinflussen zu können.“ Sie teilte die Schüler ein, und Lilia erfuhr, dass sie als Schlusslicht fliegen sollte, hinter dem Luftdrachenreiter Damir. Alle Schüler stiegen auf ihre Drachen und flogen los. Tatsächlich war es für Damir eine Herausforderung, seinen Drachen auf Position zu halten, immer wieder flog er voran. „Zeig deinem Drachen Respekt, aber trete bestimmt auf. Es scheint, als würde er dich noch nicht richtig respektieren“, meldete sich die Reiterin zu Wort, und Damir versuchte es. „Kamiro, bitte. Bleib in Formation“, sagte er leise und tätschelte seinen Drachen. Dieser stieß ein unwilliges Knurren aus, fügte sich jedoch schnell seinem Schicksal. Lilia hatte keinerlei Probleme, in der Reihe zu bleiben, und auch die anderen Drachenreiter schafften dies ohne Mühe. Lilia freute sich schon darüber, dass ihr Unterricht nun beendet sein würde, doch da hatte sie die Rechnung ohne Asdamor gemacht. Dieser stand nun mitten im Wald und sah das Mädchen auffordernd an. „Ich möchte mit dir gemeinsam herausfinden, was die Waffenfertigkeiten der weißen Drachenreiter sind“, erklärte er. Lilia unterdrückte ein Stöhnen und folgte ihm. Er gab ihr eine Übungskeule in die Hand. „Und jetzt greif mich damit an. Weiche nicht nur aus und ermüde deinen Gegner, diese Taktik wird nicht für alle Zeit funktionieren. Außerdem bringt sie einem Drachenreiter auch nicht wirklich Ruhm und Ehre ein.“ Lilias Hände zitterten vor Anspannung. War sie wirklich die Einzige, welcher Ruhm und Ehre unwichtig war? Drakara nickte in ihren Gedanken. Seufzend sammelte sich die Drachenreitschülerin und wollte Asdamor mit einem schnellen Schlag angreifen. Sie unterschätzte jedoch seine schnelle Reaktion, und die Keule fiel ihr aus der Hand. Sie versuchten es mit allen fünf Nahkampfwaffentypen, bis Asdamor sich seufzend die Haare raufte. „Du bist ein Nichts unter den Drachenreitern“, fällte er sein strenges Urteil. „Das weiß ich“, zwang sich Lilia zu antworten. „Und es macht dir nichts aus?“ Sie nickte, obwohl ein kleiner Teil in ihr dennoch traurig darüber war. „Ich bin keine Kriegerin, meine Drachenfreundin ebenfalls nicht“, erklärte sie. „Versuchen wir es noch mit einem Bogen.“ Er ging einige Schritte weiter, bis sie 15 Meter von sich entfernt eine Zielscheibe stehen sah. Dann gab er ihr den Bogen. „Versuche, in das Loch zu treffen“, wies er Lilia an. Sie holte geräuschvoll Luft und führte die viel zu schwere Waffe. Dann legte sie einen Übungspfeil auf die Sehne und schoss. Das Geschoss traf die Zielscheibe nicht einmal, sondern schlug mehrere Meter daneben in eine Wand ein. Sie versuchte es erneut und verringerte sogar den Abstand zur Zielscheibe, doch sogar bei nur fünf Meter Abstand hatte sie keine Erfolge zu vermelden. „Wie sollst du so deine Kampfprüfung bestehen! Kannst du mir das sagen?“, fragte Asdamor, doch Lilia wusste es nicht. Sie stand einfach nur stocksteif da, wie jedes Mal, wenn sie mit zu viel Kampf und Gewalt konfrontiert wurde. „Lilia, ich rede mit dir!“ Die Stimme des Lehrers wurde immer drängender. „Ich… ich… ich weiß es nicht.“ Asdamor runzelte die Stirn. „Ich gebe dir einen guten Rat. Verlass die Drachenreitschule, bevor es zu spät ist. Sonst liegst du tot auf dem Schlachtfeld. Mit normalen Waffen reicht es nicht, nur auszuweichen und seinen Gegner damit zu ermüden. Manchmal ist dein Gegner auch schneller und ausdauernder als du selbst.“ Mit einer abweisenden Handbewegung schickte er sie davon. Lilia lief durch den Wald, bis sie ihre Drachenfreundin zwischen zwei Bäumen fand. Sofort kniete sie sich neben sie und schlang ihre Arme um den schuppigen Körper. Sie fühlte sich gerade vollkommen nutzlos und klein. „Hör mir jetzt ganz genau zu“, durchbrach Drakaras Stimme ihre Gedanken. „Du bist weder nutzlos noch klein, du und ich sind nur nicht für den direkten Kampf geeignet. Das wirkt befremdlich auf die anderen Drachenreiter. Lass dich bitte davon nicht unterkriegen und steh zu deinen Prinzipien.“ Lilia seufzte und nickte. „Aber was machen wir, wenn wir doch einmal kämpfen müssen? Kämpfen um Leben und Tod? Du sagst selbst, dass es sich vielleicht nicht vermeiden lassen wird.“ Drakara nickte bedächtig mit dem Kopf. „Es gibt eine Möglichkeit, wie weiße Drachen sich wehren oder im Notfall auch angreifen können. Ich möchte aber, dass du die Selbstzweifel verlierst, deshalb werde ich dir diese Fähigkeiten erst zeigen, wenn du begreifst, dass du dich nicht mit den anderen Drachenreitschülern vergleichen kannst. Du bist anders, und genauso bin ich anders. Weiße Drachen wurden auch nicht gefragt, ob sie von den anderen Drachen ausgeschlossen werden wollen, nur weil wir sind, wie wir eben sind und zu unseren Überzeugungen stehen. Das musst du noch lernen, um eine vollwertige weiße Drachenreiterin zu werden.“ Lilia spürte den Blick ihrer Drachenfreundin auf sich, und sie musste zugeben, dass Drakara wieder einmal Recht hatte. Sie durfte sich nicht von den anderen Drachenreitern herunterziehen lassen. „Ich danke dir für deine Worte“, antwortete Lilia, dann wandte sie sich ab. „Da bist du ja!“ Kianas Stimme durchbrach die Stille. „Wir warten schon mit dem Mittagessen auf dich, also komm jetzt. Ich habe den ganzen Wald nach dir abgesucht.“ Lilia entschuldigte sich und folgte der braunen Drachenreiterin ins Quartier. Beim Mittagessen sprach Lilia kein einziges Wort und konzentrierte sich nur auf ihr Essen. Kiana saß wie immer neben ihr, sprach jedoch nicht. Lilia sah aber immer wieder, wie das Mädchen einen Seitenblick zu ihr warf. Nach dem Essen fasste sie Lilia am Arm. „Lilia, kann ich bitte einmal mit dir sprechen? Ich weiß, ich habe mich zu neugierig verhalten, aber es ist etwas Wichtiges, für dich.“ Lilia wusste nicht, was sie davon halten sollte, doch sie folgte dem Mädchen in ihr Zimmer. An der Wand hing dort das Bild eines anderen Drachenreiters, und Lilia staunte. „Hast du das gemalt?“, fragte sie Kiana, und sie nickte. „Es war mein Freund. Wir waren im selben Jahrgang, aber… Er hat die magische Prüfung nicht bestanden“, antwortete sie, und Lilia bemerkte, wie die Tränen langsam über ihre Wangen liefen. „Das tut mir Leid“, sagte sie nur. Kiana hatte sich jedoch schnell wieder gefasst und zeigte nun einen sehr entschlossenen Ausdruck. „Wie du vielleicht weißt, gibt es eine Kampf- und eine Magieprüfung. In der Kampfprüfung müssen immer zwei Drachenreitschüler gegeneinander kämpfen, bis einer von ihnen tot ist. Da es im ersten Jahr immer zuerst fünf Drachenreitschüler sind, wird nach zwei Kämpfen ausgelost, welcher Gewinner einer der Kämpfe gegen den letzten Schüler kämpfen muss. Es bleiben also insgesamt zwei Drachenreitschüler übrig. Diese beiden müssen dann auf dem Rücken ihres Drachen gegeneinander kämpfen. Übrig bleibt nur ein Schüler, welcher dann ins zweite Jahr aufsteigt. Lilia, wenn du überleben willst, dann wirst du nicht um den Kampf herumkommen. Du musst deine Fähigkeiten zeigen, auch wenn dir das nicht gefällt.“ Drakara in Lilias Gedanken gab ein Knurren von sich. „Du wirst überleben“, meldete sie sich zu Wort. „Das ist keine Frage des Kampfgeists, zumindest nicht bei weißen Drachen!“ Lilia sah das Mädchen fassungslos an. Sie wusste zwar von einer Kampfprüfung und dass es nicht vermeidbar sein würde, auf Leben und Tod zu kämpfen. Dass jedoch nur ein Drachenreitschüler überleben würde, so hatte sie dies noch nie gesehen. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag. Kiana war scheinbar die einzige ihres Jahrgangs, welche überlebt hatte. Vielleicht könnte sie die Beratung dieses Mädchens gebrauchen. „Du bist besser beraten, wenn du auf mich hörst“, erklärte Drakara, und Lilia konnte das Misstrauen aus ihrer Stimme lesen. „Sei nicht so misstrauisch“, antwortete sie. „Ich bin nicht misstrauisch, nur vorsichtig“, entgegnete ihre Drachenfreundin. „Wenn du Drachenmagie beherrschst, solltest du es mir sagen. Vielleicht können wir ja miteinander üben“, fuhr Kiana fort. „Warte einen Moment“, meldete sich Drakara erneut. Gerade wollte Lilia fragen, worauf sie warten sollte, da spürte sie die Präsenz ihrer Freundin näherkommen. „Ich befinde mich nun direkt vor Kianas Fenster und kann ihre Gedanken lesen. Sie scheint wirklich gute Absichten zu haben.“ Lilia seufzte. „Ich kann noch nicht genau sagen, welche Fähigkeiten genau meine Drachin hat, aber eine Fähigkeit, die ich bereits kenne ist, dass ich viel geschickter im Kampf bin. Ich kann Treffern fast automatisch ausweichen, ohne dafür große Mühe aufzubringen. Da ich keine Kämpferin bin, verteidige ich mich lieber und schlage am Ende zu, wenn mein Gegner übermüdet ist.“ Kianas Gesicht legte sich nachdenklich in Falten. „Ich sollte noch lernen, aber wenn du möchtest, üben wir heute Abend ein wenig den Waffenkampf zusammen“, bot Kiana an. Drakara nickte in Lilias Gedanken, was das Mädchen nicken ließ. Ein Lächeln trat in Kianas Gesicht, und sie bedeutete Lilia mit einer Geste, sie jetzt nicht weiter zu stören. Lilia ging in ihr Zimmer und lernte auch ein wenig die Drachengesetze. Lang hielt sie es jedoch darin nicht aus und verzog sich in den Wald. Sie hatte Drakara schnell entdeckt und setzte sich zu ihr. „Ich muss gleich losfliegen“, erklärte die Drachendame, und Lilia machte sich schon bereit, auf ihren Rücken zu klettern. „Alleine“, fügte Drakara hinzu. Lilia hielt inne und sah ihre Freundin verwirrt an. „Was ist los?“, fragte sie, und ein wenig Enttäuschung machte sich in ihr breit. „Das geht nicht gegen dich, aber das, was ich jetzt mache, sollte so gut wie niemand mitbekommen. Irgendwann werde ich dir anvertrauen, wohin ich fliege und es dir zeigen.“ Mit diesen Worten erhob sich Drakara in die Lüfte, und Lilia blieb alleine zurück. Die Drachendame schickte noch ein wenig Trost durch ihre Gedanken und unterbrach dann die Verbindung. Lilia schloss die Augen und konzentrierte sich wieder auf die Geräusche, die Gerüche und das Gefühl des Windes auf ihrer Haut. Als die Glocke zum Abendessen klingelte, erhob sie sich und nahm ihr Abendessen schweigend ein. Danach ging sie mit Kiana in den Wald. Diese hielt ein Übungsschwert und eine Axt hin. „Was willst du nehmen?“, fragte sie, und Lilia zitterte unwillkürlich. „Ich… ich nehme das Schwert“, murmelte sie, und Kiana reichte es ihr. „Und jetzt greif mich an. Denk nicht daran, dass du nicht kämpfen möchtest, denk daran, dass dies ein Übungskampf ist.“ Lilia seufzte und stand für einige Sekunden nur da. Doch dann erhob sie ihr Schwert und stürzte auf Kiana zu. Der Treffer wurde mit Leichtigkeit von Kianas Axt pariert. Auch der nächste Schlag gelang nicht. Beim dritten Schlag stöhnte Lilia und beendete den Kampf. „Gib nicht so leicht auf, Lilia. Benutze deine Drachenfähigkeiten“, ermahnte Kiana sie. „Die Drachenfähigkeiten sind im Angriff nutzlos!“, rief Lilia. „Das glaube ich nicht. Wenn du dich schon geschickt verteidigen kannst, solltest du doch ebenfalls im Angriff geschickt sein. Machen wir es einmal anders. Ich greife dich an, und du versuchst, nicht nur zu verteidigen, sondern ebenfalls Angriffe auszuführen.“ Kiana griff sofort an, und Lilia spürte die erhöhte Geschicklichkeit in sich. Sie verteidigte sich wacker, doch jedes Mal, wenn sie versuchte, ihre Geschicklichkeit zum Angriff zu nutzen, gelang es ihr nicht. „Du kannst deine Geschicklichkeit nur zur Verteidigung nutzen“, erklärte Drakara. „Erst, wenn dein Gegner ermüdet, kannst du ihn ausschalten.“ Als Lilia dies Kiana erzählte, konnte sie es kaum glauben. „Aber wir müssen doch eine Möglichkeit finden, wie du die Kampfprüfungen gewinnen kannst“, beharrte sie. Ein Ausdruck der Verzweiflung huschte über ihr Gesicht, und Lilia fragte sich, warum gerade Kiana ihr dabei helfen wollte. „Weil sie dich mag“, antwortete Drakara an ihrer Stelle. „Seit mein Freund starb, hatte ich keine anderen Freunde mehr, Lilia. Du bist die Erste, die ich wirklich mag“, erklärte nun auch Kiana ihr Handeln. Für einen Moment kam Lilia kein Ton über die Lippen. „Ich mag dich auch“, antwortete sie schließlich, und Kiana lächelte. „Ich möchte dir wirklich helfen, diese Prüfung zu bestehen. Alaro mag dich genau so wie ich und denkt, dass in dir noch ein großes Potential steckt.“ Lilia sah ihre neue Freundin fragend an. „Mein Drache“, fügte diese lachend hinzu.

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