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Kochrezept für einen „Da-haben-wir-den-Salat“

Heute bereiten wir einen echten Klassiker der deutschen Alltagsküche zu. Das Gericht gelingt zuverlässig, braucht keine besonderen Vorkenntnisse und endet garantiert in einer Krisensitzung.

Zunächst nimmt man eine hervorragende Idee und legt sie sorgfältig beiseite. Sie würde nur stören.

Stattdessen vermischt man drei Egos, zwei Gerüchte und einen Menschen, der den Satz „Ich habe da mal was vorbereitet“ sagt. Den wirft man sofort wieder aus dem Topf – der könnte versehentlich Struktur hineinbringen.

Nun gibt man einen Teelöffel Kommunikation dazu. Nicht umrühren! Das ist ein Anfängerfehler. Kommunikation muss in groben Klumpen vorliegen, damit sie später überraschend wieder auftaucht.

Jetzt folgt die wichtigste Zutat: Zuständigkeiten. Man verteilt sie so, dass sich jeder verantwortlich fühlt, aber niemand zuständig ist. Das verleiht dem Gericht seine unverwechselbare Konsistenz zwischen Pudding und Behördenbrief.

Anschließend wird kräftig mit Meetings abgeschmeckt. Die Hitze dabei stets niedrig halten – sonst könnten Entscheidungen entstehen. Zwischendurch immer wieder fragen: „Sind wir da alle abgeholt?“ Das verändert zwar nichts, klingt aber herrlich cremig.

Wer es besonders raffiniert mag, gibt noch einen Experten hinzu. Seine Aufgabe besteht ausschließlich darin, ignoriert zu werden.

Nun lässt man alles mehrere Tage ziehen. Währenddessen rührt jeder einmal kurz um und behauptet anschließend, er habe den Laden allein zusammengehalten.

Zum Schluss kommt die Geheimzutat: ein winziger, völlig belangloser Fehler. Etwa jemand drückt auf „Allen antworten“, verwechselt Salz mit Zucker oder schließt den Gartenschlauch an die Kaffeemaschine an. Das genügt. Jetzt geht alles von selbst.

Innerhalb weniger Minuten quillt das Gericht über, die Küche brennt, zwei Menschen kündigen innerlich, einer eröffnet einen Arbeitskreis und irgendwo steht jemand mit verschränkten Armen und sagt den Satz, der seit Jahrhunderten zuverlässig jede Katastrophe kommentiert:

„Tja … da haben wir den Salat.“

Mit etwas Glück muss ihn niemand auslöffeln. Wenn, dann passiert es erfahrungsgemäß aber genau dem, der als Erster gesagt hat: „Das kann doch nicht so schwer sein.“

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